„Du bist einfach zu dick - reiß‘ Dich mal zusammen und iss nicht so viel!“
Dec 27, 2025
Mit diesem Urteil oder so ähnlich sitzen Patienten vor mir und schämen sich, weil ihnen keiner glaubt und sie sich selbst auch nicht mehr. Dabei haben sie schon soviel versucht, nehmen aber immer mehr an Gewicht zu.
Ja und es kann sein, dass sich ein ständiger Hunger eingestellt hat, dem schwierig ist, nicht nachzugeben. Aber oft steht gar keine „Völlerei“ dahinter, manche essen so wenig und dennoch nehmen sie nicht ab bzw. stetig zu.
Es handelt sich hier meist um eine Erschöpfung der Energiegewinnung im Kern unserer Zellen: den Mitochondrien.
Woher kommt das?
Ich versuche meinen Patienten die Situation anschaulich zu beschreiben:
Die völlig überlastete Zelle schreit nach Energie. Das Insulin folgt dem Ruf mit dem Zucker in Form von Glukose unter dem Arm, aber die Zelle weist es ab: „Sorry, aber wenn ich die Glukose verbrenne, entsteht soviel Qualm, ich kann ja so kaum noch atmen.“
Und das Insulin muss zusehen, wo es die Glukose lässt, wandelt sie zur Schadensbegrenzung in Fett und packt dieses in die Speicher für ggf. schlechte Zeiten. Fertig ist der Rettungsring!
Übrigens das typische Merkmal, das den Menschen als erstes auffällt. Dumm nur, dass die Zelle weiterhin nach Energie schreit – somit auch weiterhin Hunger bestehen bleibt.
Hier haben wir es mit einem metabolischen Syndrom zu tun und das bedeutet nicht, dass man schon Diabetes hätte.
Es definiert sich über:
- Insulinresistenz (Glukose wird nur noch in geringerer Menge angenommen, als ursprünglich möglich)
- Hyperglykämie (zuviel Zucker im Blut zur Freude von Mikroorganismen)
- Hyperlipidämie (Zucker wird umgewandelt in Fett, auch darüber freuen sich Mikroorganismen)
- abdominale Adipositas (das viszerale Fett nimmt zu)
- Bluthochdruck entsteht (Sauerstoffmangel, Gerinnungsaktivierung und Arteriosklerose)
- Übersäuerung, weil die Harnsäure als körpereigenes Antioxidanz versucht der Oxidation entgegenzuwirken, aber irgendwann sich selbst limitiert, kristallin ausfällt und zu allem auch noch Gicht verursacht
Wie kommt es dazu?
Chronische Entzündung durch schlechtes Darmmilieu, Immunabwehrschwäche durch Infektionen oder Eingriffe in das Immunsystem, andauernder Zellstress durch Überarbeitung und psychische Belastungen, andauernder Mikronährstoffmangel, multitoxische Belastungen und chronische Infektionen - oder gar alles zusammen?
Ganz wichtig ist die frühzeitige Diagnostik: Wenn der HbA1C auffällig ist, ist man schon mittendrin! Der HOMA -Index erlaubt eine frühe Diagnostik des Prä-Diabetes und ein Gegensteuern, bevor es ein Diabetes Typ II wird.
HOMA-Index:
- bis 1.0 - normal
- > 1,0 = Grauzone: Insulinresistenz möglich
- > 2.0 = Hinweis auf eine Insulinresistenz
- > 2.5 = Insulinresistenz sehr wahrscheinlich
- > 5.0 = Diabetes Typ II
Die gute Nachricht: Trotz seiner Komplexität und den potenziellen gesundheitlichen Folgen ist das metabolische Syndrom reversibel.
Mit gezielten Lebensstiländerungen und der Unterstützung bestimmter Nahrungsergänzungsmittel kann das metabolische Gleichgewicht wiederhergestellt werden. Ergänzend ist die Oxyvenierung nach Regelsberger und die IHHT (Intervall Hypoxie Hyperoxie Therapie) - weil Sauerstoff Leben ist.
Die Regeneration und Optimierung der Mitochondrien ist gleichzusetzen mit Anti-Aging oder Förderung der Langlebigkeit, als „Longevity“ – plötzlich so „modern“ in aller Munde.
Letztlich geht es aber um nichts anderes, als eine Mitochondriopathie zu behandeln, die an allen chronischen Erkrankungen und Zelldegeneration beteiligt sind.
Lebensstilveränderungen könnten vor allem mehr Bewegung sein - auch nicht überraschend - aber besonders, dass man Muskulatur aufbaut. Zum Glukose-Abbau wird in der Muskulatur nämlich kein Insulin benötigt.
Selbstverständlich auch Ernährungsumstellung (darauf muss ich hier auch nicht eingehen), am Besten mit Intervallfasten, was aber zu Beginn schwierig sein kann, wenn der Energiemangel bereits recht ausgeprägt ist.
Nachfolgend einige Substanzen, mit denen es leichter wird, den Circulus vitiosus zu durchbrechen:
- Bittergurke (Momordica charantia): sie besitzt durch verschiedene Wirkstoffe - darunter das insulinähnliche Polypeptid-p, Saponine wie Charantin, Triterpenoide und ein spezielles Lektin – nachweislich blutzuckersenkende, kardioprotektive, antivirale, antibakterielle und antitumorale Eigenschaften
- Bockshornklee (Trigonella foenum-graecum): senkt den Blutzuckerspiegel durch die insulinähnliche Aminosäure 4-Hydroxy-Isoleucin, verbessert die Insulinsensitivität, fördert die Regeneration von Bauchspeicheldrüsenzellen, reguliert den Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel und steigert durch seine anabole Wirkung Muskelkraft, Ausdauer und Glykogenspeicherung
- D-Ribose ist ein körpereigener Zucker, der über den Pentosephosphatweg Energie liefert, oxidative Belastung reduziert und durch die Förderung der zellulären Energieproduktion die Insulinempfindlichkeit sowie Symptome des metabolischen Syndroms verbessern kann
- Zimt enthält bioaktive Polyphenole wie Zimtaldehyd, die die Insulinempfindlichkeit steigern, die Glukoseaufnahme in die Zellen verbessern und durch eine verlangsamte Verdauung zu einer gleichmäßigeren Blutzuckerfreisetzung beitragen
- Vitamin C wirkt als starkes Antioxidans, schützt vor oxidativem Stress, verbessert die Insulinempfindlichkeit und senkt Entzündungen
- Gamma-Aminobuttersäure (GABA) schützt die insulinproduzierenden β-Zellen der Bauchspeicheldrüse, fördert über GABA-Rezeptoren die Insulinsekretion und reguliert im Nervensystem Stress, Schlaf, Appetit und Entzündungsprozesse
- Kalium gleicht bei Hyperglykämie Verschiebungen im Säure-Basen-Haushalt aus, senkt den Blutdruck durch Natriumausscheidung
- Magnesium fördert die Insulinwirkung und den Glukoseabbau, stabilisiert die Erregungsübertragung in Muskelzellen und puffert Säuren, wodurch es vielfältig zur Stoffwechselregulation beiträgt
- Chrom ist ein essentielles Spurenelement, das die Wirkung von Insulin unterstützt, die Glukoseaufnahme in die Zellen verbessert und durch Bindung an den Insulinrezeptor-Komplex die Insulinempfindlichkeit erhöht sowie den Blutzuckerspiegel bei Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes senken kann
- Berberin senkt nachweislich HbA1c-, Nüchtern- und postprandiale Blutzuckerwerte, verbessert Insulinresistenz sowie Fettstoffwechsel, reduziert Triglyceride, Gesamt- und LDL-Cholesterin und erhöht HDL
Abschließend noch zwei effektive Therapieverfahren mit Geräten, bei denen die Sauerstoffbindungskapazität deutlich erhöht und vielfältige Mechanismen in Gang gesetzt werden:
Oxyvenierung (Intravenöse Sauerstofftherapie nach Dr. med. Regelsberger)
Bei einer Oxyvenierung wird gerätekontrolliert medizinischer Sauerstoff intravenös direkt in die Vene geleitet.
Diese Therapie wirkt antioxidativ, antientzündlich, gefäßerweiternd, immunmodulatorisch, cholesterinsenkend, antithrombotisch, antiödematös, schlafinduzierend, und auch antimikrobiell.
Die Behandlung erfolgt in ca. 10 bis 20 Sitzungen, die täglich durchgeführt werden können. Man steigert die applizierte Sauerstoffmenge stetig bis auf 60 ml innerhalb von 30 min.
In einer Untersuchung an 286 Probanden auf die diabetische Stoffwechsellage konnte in 61% eine Besserung, 35% eine starke Besserung, aber in 4% keine Änderung feststellen.
IHHT: Intervall Hypoxie Hyperoxie Therapie
Die IHHT basiert auf wechselnden Atemphasen von reduzierter (hypoxischer) und erhöhter (hyperoxischer) Sauerstoffzufuhr, wodurch die Effizienz der Sauerstoffnutzung in der ATP-Produktion erhöht wird.
Die Therapie stimuliert die Mitochondrien, verbessert die Energieproduktion und unterstützt die Regeneration der Zellen.
In der Regel wird IHHT jedoch über einen Zeitraum von mehreren Wochen bis Monaten durchgeführt. Typischerweise umfasst ein Behandlungszyklus mehrere Sitzungen pro Woche.
Fazit
Durch gezielte Lebensstiländerungen und die Einnahme geeigneter Nahrungsergänzungsmittel und auch gerätevermittelte Unterstützung kann der Blutzuckerspiegel stabilisiert, die Insulinempfindlichkeit erhöht und das metabolische Syndrom gelindert oder umgekehrt werden.